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12. Oktober 2026Marcel Lehmann

Der Konnektoren-Mythos: «Power Automate hat ja kaum Schnittstellen» – stimmt nicht

Power AutomateKonnektorenCustom ConnectorIntegrationKMU

Das Wichtigste in Kürze

Über 1'500 fertige Konnektoren, die HTTP-Aktion für alles mit API und Custom Connectors für die saubere Wiederverwendung. Warum sich fast jedes System anbinden lässt.

«Power Automate hat ja kaum Konnektoren.» Diesen Satz höre ich ständig – meistens von Leuten, die ein anderes Tool verkaufen wollen. Zeit für Klartext: Power Automate bringt über 1'500 fertige Konnektoren mit, und selbst wenn Dein System nicht dabei ist, bindest Du es praktisch immer an.

Das Problem: Ein Mythos, der Potenzial verschenkt

Der Glaube, Power Automate sei ein geschlossenes System mit einer Handvoll Konnektoren, hält sich erstaunlich hartnäckig. Die Folge: KMU verwerfen die Plattform, bevor sie sie ernsthaft geprüft haben – oder kaufen teure Spezial-Tools für Aufgaben, die sie mit bereits lizenzierten Bordmitteln erledigen könnten.

Das eigentliche Problem ist selten technischer Natur. Es ist ein Informationsproblem. Die Frage lautet fast nie «Geht das überhaupt?», sondern nur «Wie sauber will ich es anbinden?».

Die Lösung: Drei Wege, um praktisch alles anzubinden

1. Standard-Konnektoren – über 1'500 fertige Bausteine. Für Microsoft 365, SharePoint, Outlook, Teams, Dataverse, aber auch für unzählige Drittsysteme wie Salesforce, SAP, Google-Dienste oder DocuSign. Für einen sehr grossen Teil der typischen KMU-Anforderungen ist der passende Konnektor bereits vorhanden – Du wählst ihn aus und legst los.

2. HTTP / REST – wenn kein fertiger Konnektor existiert. Dein System ist nicht in der Liste? Kein Problem. Sobald ein System eine API anbietet, sprichst Du sie über die HTTP-Aktion direkt an. Damit bindest Du praktisch jedes moderne System an – auch Nischen- und Branchensoftware, für die es nie einen offiziellen Konnektor geben wird.

3. Custom Connector – für die saubere, wiederholbare Anbindung. Brauchst Du dieselbe Schnittstelle immer wieder, lohnt sich ein Custom Connector. Du definierst die API einmal sauber und nutzt sie danach in jedem Flow wie einen ganz normalen Standard-Konnektor – inklusive gepflegter Aktionen, Parameter und Authentifizierung.

Typische Stolpersteine

  • Standard vs. Premium verwechseln. Viele nützliche Konnektoren und die HTTP-Aktion sind Premium und brauchen die passende Lizenz. Das vorab zu klären, verhindert böse Überraschungen.
  • Authentifizierung unterschätzen. Die technische Anbindung ist oft schnell erledigt – die saubere, sichere Authentifizierung (API-Keys, OAuth) braucht mehr Sorgfalt.
  • Für jede Anbindung neu basteln. Brauchst Du eine Schnittstelle öfter, bau einen Custom Connector, statt in jedem Flow HTTP-Aufrufe zu kopieren.
  • API-Limits ignorieren. Manche Systeme begrenzen die Zahl der Aufrufe. Das gehört in die Planung, bevor der Flow im grossen Stil läuft.

Fazit

Der Mythos «zu wenig Konnektoren» stimmt schlicht nicht mehr. Über 1'500 Standard-Konnektoren, die HTTP-Aktion für alles mit API und Custom Connectors für die saubere Wiederverwendung – damit ist die Frage fast nie, ob sich ein System anbinden lässt, sondern nur, wie sauber Du es tun willst.

Hast Du ein System, von dem Du denkst, es liesse sich nicht anbinden? Schreib mir – die Wette gilt.

Beste Grüsse,

Marcel Lehmann
Gründer KMUpower & Microsoft MVP


Häufige Fragen

Wie viele Konnektoren hat Power Automate wirklich?
Über 1'500 vorgefertigte Standard- und Premium-Konnektoren – für Microsoft-Dienste ebenso wie für zahlreiche Drittsysteme. Die genaue Liste wächst laufend und ist in der offiziellen Microsoft-Konnektoren-Referenz einsehbar.

Was mache ich, wenn es für mein System keinen Konnektor gibt?
Solange das System eine API anbietet, bindest Du es über die HTTP-Aktion an. Brauchst Du die Schnittstelle regelmässig, lohnt sich ein Custom Connector, den Du einmal definierst und danach wie einen Standard-Konnektor nutzt.

Was ist der Unterschied zwischen Standard- und Premium-Konnektoren?
Standard-Konnektoren sind in vielen Plänen enthalten, Premium-Konnektoren (und die HTTP-Aktion sowie Custom Connectors) benötigen eine Premium-Lizenzierung. Welche Konnektoren Premium sind, ist in der Microsoft-Dokumentation gekennzeichnet.

Was ist ein Custom Connector?
Eine selbst definierte Anbindung an eine API. Du beschreibst einmal die verfügbaren Aktionen und die Authentifizierung – danach lässt sich der Connector in jedem Flow so einfach nutzen wie ein fertiger Standard-Konnektor.

Brauche ich Programmierkenntnisse, um ein System per HTTP anzubinden?
Ein Grundverständnis von APIs und Authentifizierung hilft. Die HTTP-Aktion selbst ist konfigurierbar, ohne Code zu schreiben – für komplexere Anbindungen oder einen Custom Connector ist etwas technisches Verständnis aber von Vorteil.

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